• Marie-Charlotte

Loslassen was uns festhält - Mit der Natur, mit Pferden und jeder Menge Konfetti

Als ich die Tage mit Goldie durch den Wald geritten bin, sind überall wo wir hinkamen die Blätter gerieselt. Und es kam mir vor, als würden die Bäume uns feiern und mit Konfetti bewerfen. In diesem Moment ist mir die Schönheit des Loslassens bewusst geworden. Dass dieser Moment Mut erfordert, aber auch Schönheit und Freude mit sich bringen kann. Doch warum trauen wir uns so oft nicht?

Gestern habe ich den Spruch gehört „Haben ist besser als Brauchen“. Diese Einstellung hat besonders die Nachkriegsgeneration geprägt, die nicht viel hatte. Und obwohl sich die Zeiten verändert haben und wir zumeist im Überfluss leben, steckt dieses „mit beiden Händen festhalten“ noch in uns. Damit meine ich nicht nur Materielles, sondern auch Gedanken und Verhaltensweisen, einen Job oder eine Beziehung, die uns nicht mehr glücklich machen. Also wie können wir unsere Hände und unser Herz öffnen und voller Vertrauen loslassen?


Ganz bewusst können wir den Kreislauf des Loslassens lernen, wenn wir auf die Natur schauen und ihren Kreislauf der Jahreszeiten. Vielen von uns ist das fremd, denn in unserer künstlichen Welt, versuchen wir den Standard über das ganze Jahr aufrecht zu erhalten. Damit wir weiter auf unserer Höher-Schneller-Weiter Welle surfen können. Wenn sich die dunkle Jahreszeit nähert, drehen wir einfach die Heizung auf und schalten das Licht an, ohne die ursprüngliche Qualität dieser Zeit zu bemerken. Aber die Natur zeigt, dass Veränderung zum Leben dazu gehört. Alles hat seine Zeit!


Im Herbst werfen die Bäume ihr Laub ab und trauen sich, zunächst einmal nackt dazustehen. Und ich finde es einfach zauberhaft, was aus diesen nicht mehr benötigten Blättern alles entstehen kann. Rieselndes Laub wie Konfetti. Ein bunter Teppich aus Blättern, der alles still werden lässt.


Im Winter wird dieser Laubteppich dann vielleicht sogar noch durch eine weiche Schneeschicht zugedeckt. Diese Zeit lädt ein, sich zurückzuziehen und still zu werden. Mehr auf das Innen als auf das Außen zu schauen. Denn jetzt spielt sich die wahre Magie im Verborgenen ab, wenn sich unter der Schneeschicht das zerfallende Laub zu Erde wandelt.


Im Frühling, kämpfen sich dann die ersten Triebe ans Licht und wollen gesehen werden. Manchmal gibt es noch einen kleinen Rückschlag durch einen letzten Frosteinbruch. Die Pflanzen lassen sich aber nicht entmutigen. Sie halten dann noch einmal inne, bündeln ihre Kräfte und gehen mit den kommenden Sonnenstrahlen in den nächsten Wachstumsschub.


Im Sommer steht die Natur dann in ihrer vollen Blüte und kann ihre ganz Kraft und Schönheit entfalten. Auch hier hält sie nicht fest, sondern zeigt sich in ihrer einzigartigen Pracht. Sie verschenkt ihre Fülle, ohne einen Gedanken an morgen. Sie blüht nicht um ihrer eigenen Schönheit willen, sondern verstreut großzügig ihre Samen im Vertrauen auf den Prozess des Lebens.


Wie können wir das also auf uns übertragen? Der Prozess startet mit dem Loslassen selbst, also dem Herbst. Dem Aufgeben. Nackt sein. Mit leeren Händen dastehen. Alleinsein. Analog dem Winter folgt die innere Einkehr, in der wir uns besinnen und den Fokus neu legen. Dieser Teil ist meist schwer auszuhalten, denn wir haben das Alte losgelassen und das Neue ist noch nicht ganz da. Aber jeder Winter geht zu Ende und als nächstes treten unsere neuen Qualitäten das erste Mal ans Licht, wie die ersten Keime im Frühling. Rückschläge, wie den Nachtfrost, nehmen wir nicht zu hart, die gehören dazu. Wir probieren uns aus, erst zaghaft und dann immer mutiger, bis wir in voller Kraft die Veränderung verinnerlicht haben und sie ein neuer Teil von uns geworden ist. Wir strahlen das Neue aus und können damit sogar eine Inspiration für andere Menschen werden.


Das Loslassen von Glaubenssätzen, Denkmustern und schmerzhaften Erfahrungen ist ein Prozess, den ich auch regelmäßig im pferdegestützten Coaching begleite. Wie das aussieht?

Stell Dir vor, wir sind auf dem Reitplatz und ich bitte Dich, mit meinem Pferd Goldie am Strick loszugehen. Du machst beherzt den ersten Schritt, auch noch den zweiten und merkst dann, wie das Seil sich spannt, denn Goldie geht nicht mit. Du lockst, Du bittest, vielleicht erhöhst Du auch den Druck und ziehst. Aber Goldie stemmt die Beine in den Boden und macht klar: Ich beweg mich hier nicht weg.


Dieses Blockieren von Goldie wird in jedem Fall ein Gefühl bei Dir auslösen. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Wut, … . Das kann mit einem unangenehmen Erlebnis zusammenhängen, einem Glaubenssatz oder auch mit der Verknüpfung mit einem Menschen („Das Verhalten kenn ich schon, mein „XYZ“ macht auch nie, was ich sage.“).


Um es zu verdeutlichen nehme ich für dieses Beispiel einmal den Glaubenssatz „Ich schaff das eh nicht“. In dem Moment, in dem ich Dir die Aufgabe gestellt habe, ist in Deinem Unbewussten dieser Glaubenssatz aktiviert worden. Dein ganzes Sein ist auf diesen Satz ausgerichtet. Körperlich und mental hältst Du noch die Fassade und gehst los. Goldie sieht Dich aber über Deine Fassade hinaus und nimmt Dich in Deinem ganzen Sein wahr. Er ist mehr von Deiner „Ich schaff das eh nicht“ Ausstrahlung überzeugt, als von Deinen körperlichen Versuchen ihn zu bewegen. Er spürt die blockierende Energie dieses Satzes und ist selbst blockiert. Damit zeigt er Dir, dass da noch etwas ist, was Dich zurückhält. Etwas, das Du bisher in Deinem bewussten Denken noch nicht wahrgenommen hast.


Wir konzentrieren uns dann gemeinsam ganz auf das Gefühl, das dieses Verhalten in Dir auslöst. Über Fragen wie „Woher kennst Du dieses Gefühl?“ und „Wo spürst Du es in Deinem Körper?“ nähern wir uns der Ursache der Blockade und erkennen ihren Ursprung. Dann liegt es ganz an Dir: Reicht es Dir, jetzt zu wissen, was Dich zurückhält? Oder möchtest Du einen Schritt weiter ins Loslassen gehen.


Wenn Du Dich für das Loslassen entscheidest, führe ich Dich durch einen imaginativen Prozess. Einige Teilnehmer sagen, dass sie dieser Prozess an Hypnotherapie erinnert. Wir arbeiten mit Deinen inneren Bildern und immer in Deinem Tempo. Dieser Wahrnehmungs- und Auflösungsprozess wird von Goldie begleitet. Er liebt den Moment, in dem Du voll präsent und authentisch bist, denn für Pferde ist das ein natürlicher Zustand. Ein Zustand, den wir Menschen leider meist verlernt haben. Ganz still steht Goldie dabei, bietet Dir Schutz und Geborgenheit und erleichtert Dir damit das Loslassen, so dass Platz für Neues in Deinem Leben entstehen kann.

Loslassen und Entwicklung sind nicht nur ein Teil des Lebens, sie sind DAS Leben. Schon als Embryo müssen wir irgendwann den kuscheligen Mutterleib verlassen, weil dort kein weiteres Wachstum für uns möglich ist. Es ist warm und wir sind mit allem versorgt, was wir bis zu diesem Zeitpunkt brauchten. Aber hier geht es nicht weiter. Wir müssen ein erstes Mal loslassen, die Wärme und Sicherheit hinter uns lassen und Vertrauen haben, dass sich etwas Neues entwickelt.


Dieses Phänomen erleben wir im Laufe unseres Lebens immer wieder. Nicht so physisch wie das Verlassen des Mutterleibs, aber etwas hinter uns zu lassen, was uns nicht mehr dienlich ist und erst einmal mit leeren Händen dazustehen. Es erfordert Mut und Vertrauen, sich diesem natürlichen Kreislauf hinzugeben. Aber je öfter wir uns trauen, desto mehr wächst unser Vertrauen und wir können über uns hinaus wachsen.

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