• Marie-Charlotte

Coaching mit Einhorn: Wie Du die Angst zu Deiner Freundin machst!

Aktualisiert: Apr 19

Wenn das Herzklopfen zu laut wird

Ein Coaching-Pferd ist ein Allroundtalent: sensibel, aufmerksam und immer gelassen. Wie mein Pony Goldie. Trotzdem gebe ich ihm regelmäßig neue Impulse und fordere ihn beim Gelassenheitstraining heraus. Bisher hat Goldie den Parcours immer total cool absolviert. Hin und wieder gab es mal einen Hingucker oder ein Zögern. Aber er hat sich nie wirklich aus der Ruhe bringen lassen. Doch gestern setzte sein Herzklopfen schon beim ersten Schritt in die Halle ein. Schuld war ein buntes Plastik-Einhorn in der hintersten Ecke.

Um es Goldie leicht zu machen, wollte ich mit einem bekannten „Hindernis“ starten. Nur konnte ich ihn keinen Schritt vorwärts bewegen. Auch meine üblichen „Tricks“ haben nicht geholfen. Und bald war mir klar warum. Obwohl die Poolnudeln und ich direkt vor ihm standen, war er energetisch 30 m weiter gefangen. Gefangen von seiner Angst vor dem Einhorn aus Plastik.


Vielleicht kennst Du das auch. Die gefürchtete Situation liegt noch in weiter Ferne und trotzdem schläfst Du schon schlecht. Allein bei dem Gedanken an die Situation hast Du Herzklopfen. Die Angst nimmt Deine volle Aufmerksamkeit gefangen und schluckt Deine ganze Energie. Ablenkung und gutes Zureden funktionieren auch nicht mehr. Du bist nicht mehr aufnahmebereit. Ähnlich wie Goldie.



Wenn Tricks nicht mehr helfen

Nach Psychoanalytikerin Ruth Cohn haben „Störungen und leidenschaftliche Gefühle den Vorrang“. Und Angst ist so ein leidenschaftliches Gefühl, das Deine eigentlichen Absichten gerne mal auf den Kopf stellt. Aus ihrer Sicht droht Gefahr und sie will Dich beschützen. Je mehr Du versuchst die Angst wegzudrücken, desto mehr Kraft kostet sie Dich. Kraft die Du anderswo einbüßt. Außerdem wird die Angst selbst dadurch immer lauter. Schließlich hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Dein Leben zu retten. Und für diese heroische Absicht will sie von Dir gesehen werden.



Warum Deine Angst Vorrang hat

Goldie und ich haben den Rat von Ruth Cohn befolgt und der Störung in Einhorn-Form den Vortritt gelassen. Es war klar, dass wir nicht weiterkommen, bevor Goldie sich nicht seiner Angst gestellt hat. Dafür brauchte er Zeit, gutes Zureden und Mut. Und dann stand er endlich Auge in Auge mit dem Einhorn. Als Goldie gemerkt hat, dass nichts Schlimmes passiert, konnte er loslassen und sich wieder auf anderes einlassen. Er hat seine Angst überwunden. Und weil Übung den Meister macht, hat er bei einer zweiten Runde am Nachmittag schon viel mutiger reagiert.

Gelassenheitstraining, Angst überwinden, Mut, Pferdegestütztes Coaching
Wiederholung macht den Meister: zweite Runde im Gelassenheitstraining

Genauso hatte ich letztens eine Teilnehmerin im pferdegestützten Coaching, die sich zusammen mit mir und Goldie tapfer ihrer Angst gestellt hat. Auch wenn sie äußerlich still da stand, konnte ich an Goldies Haltung erkennen, wieviel sich gerade innerlich bei ihr bewegte. Nach der Stunde schwärmte sie, dass bei dieser Herangehensweise ihre Angst das erste Mal gesehen wurde und da sein durfte. Und wie gut ihr das getan hat. Sie hat damit für sich ein Rezept erarbeitet, wie sie zukünftig mit bestimmten Situationen umgehen kann.


Vielleicht kannst auch Du nach diesem kurzen Impuls mit einer Art „Rezept“ losziehen. Wenn Du Deine Angst spürst, gib ihr den Vorrang und schau ihr mutig ins Auge – wie Goldie dem Einhorn. Damit kannst Du sie beruhigen. Und das kannst Du üben. Wieder und wieder. Von Mal zu Mal wird es leichter, bis sie für Dich wie eine gute Freundin ist, die Dich sanft am Arm nimmt und Dir zuraunt: „Da drüben musst Du ein bisschen aufpassen.“

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